Eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus braucht rund 3.000 bis 6.000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Die Formel dahinter ist simpel: Wärmebedarf geteilt durch die Jahresarbeitszahl. Alles andere hängt an drei Dingen, nämlich Dämmung, Vorlauftemperatur und Ihrem Stromtarif. Der Tarif entscheidet dabei oft mehr über die Rechnung als die Wärmepumpe selbst.
Das Wichtigste in Kürze
- Faustformel: Jahres-Wärmebedarf ÷ Jahresarbeitszahl (JAZ) = Stromverbrauch. Ein saniertes Haus mit 12.600 kWh Wärmebedarf und JAZ 3,4 kommt auf rund 3.700 kWh.
- Spanne im Bestand: Neubau unter 3.000 kWh, unsanierter Altbau über 6.000 kWh.
- Im Beispielhaus kostet der Strom rund 930 € im Jahr mit Wärmepumpentarif, mit normalem Haushaltsstrom dagegen rund 1.370 €.
- An einem kalten Wintertag zieht die Wärmepumpe 20 bis 35 kWh, im Sommer fast nichts.
- Größte Stellschrauben: ein Wärmepumpentarif, eine niedrige Vorlauftemperatur und eine saubere Einstellung.
So berechnen Sie den Stromverbrauch Ihrer Wärmepumpe
Sie brauchen dafür keine Software, nur zwei Zahlen. Die erste ist Ihr jährlicher Wärmebedarf, also wie viel Wärme Ihr Haus im Jahr schluckt. Einen guten Anhaltspunkt liefert Ihre letzte Gas- oder Ölrechnung. Die zweite ist die Jahresarbeitszahl, kurz JAZ. Sie sagt, wie viel Wärme die Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom macht.
Jahres-Wärmebedarf in kWh ÷ Jahresarbeitszahl = Stromverbrauch in kWh
Kennen Sie Ihren Wärmebedarf nicht, weil Sie zum Beispiel von einer Nachtspeicherheizung kommen? Dann hilft ein grober Kennwert nach Baustandard. Ein unsanierter Altbau braucht rund 150 kWh Wärme je Quadratmeter im Jahr, ein teilsaniertes Haus etwa 100 und ein guter Neubau 50 oder weniger. Diesen Wert multiplizieren Sie mit Ihrer beheizten Wohnfläche, und schon haben Sie eine brauchbare Ausgangszahl für die Formel. Wer eine alte Gas- oder Ölrechnung hat, ist genauer dran: Dort steht der Verbrauch schwarz auf weiß.
Ein Rechenbeispiel. Nehmen wir ein saniertes Einfamilienhaus mit 140 m², das im Jahr rund 12.600 kWh Wärme braucht. Bei einer Jahresarbeitszahl von 3,4 ergibt das:
12.600 kWh ÷ 3,4 = rund 3.700 kWh Strom im Jahr.
Die Jahresarbeitszahl ist dabei keine Wunschgröße vom Prospekt. Das Fraunhofer ISE hat vier Jahre lang Wärmepumpen im Gebäudebestand gemessen. Luft-Wasser-Wärmepumpen kamen im Mittel auf eine JAZ von 3,4, die Spanne reichte von 2,6 bis 4,9. Erdwärmepumpen lagen mit 4,3 höher. Für eine ehrliche Rechnung nehmen Sie also 3,4 an, im gut gedämmten Haus etwas mehr, im Altbau mit hohen Vorlauftemperaturen weniger.
Wie viel Strom braucht eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus?
Das hängt vor allem am Zustand des Hauses. Ein Neubau kommt mit einem Bruchteil dessen aus, was ein teilsanierter Altbau zieht. Drei typische Fälle, gerechnet nach der Formel von oben:
Haustyp | Wärmebedarf | JAZ | Stromverbrauch |
|---|---|---|---|
Gut gedämmter Neubau, 120 m² | ca. 6.000 kWh | 4,0 | rund 1.500 kWh |
Saniertes Einfamilienhaus, 140 m² | ca. 12.600 kWh | 3,4 | rund 3.700 kWh |
Teilsanierter Altbau, 160 m² | ca. 20.800 kWh | 3,0 | rund 6.900 kWh |
Sie sehen: Die oft zitierten „4.400 kWh im Schnitt“ sagen für Ihr Haus wenig aus. Rechnen Sie lieber mit Ihren eigenen Zahlen. Was Ihr Haus für eine Wärmepumpe taugt, steht ausführlich im Ratgeber Wärmepumpe im Altbau.
Was kostet das in Euro?
Jetzt kommt die Zahl, die zählt. Wir bleiben beim sanierten Beispielhaus mit 3.700 kWh Stromverbrauch und rechnen mit zwei Tarifen, weil genau hier der größte Unterschied entsteht.
Stromtarif | Preis | Kosten im Jahr |
|---|---|---|
Wärmepumpentarif (eigener Zähler) | 25 ct/kWh | rund 930 € |
Normaler Haushaltsstrom | 36,9 ct/kWh | rund 1.370 € |
Preise: BDEW, Stand 15.06.2026. Wärmepumpentarif als Marktspanne 20 bis 27 ct/kWh angenommen.
Der Unterschied von gut 440 € im Jahr entsteht allein durch den Tarif, bei exakt derselben Wärmepumpe. Ein eigener Zähler und ein Wärmepumpentarif nach § 14a EnWG sind deshalb die erste Frage, die wir mit Ihnen klären, noch vor der Gerätewahl. Ob sich die Wärmepumpe gegenüber Ihrer alten Gasheizung rechnet und ab welcher Jahresarbeitszahl sie günstiger heizt, steht mit der kompletten Rechnung im Ratgeber Wann lohnt sich eine Wärmepumpe.
Stromverbrauch pro Tag und im Winter
Der Verbrauch verteilt sich übers Jahr sehr ungleich. Im Sommer läuft die Wärmepumpe nur für Warmwasser und braucht kaum Strom. Im Hochwinter dagegen arbeitet sie gegen die Kälte an. An einem richtig kalten Tag zieht eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Einfamilienhaus 20 bis 35 kWh, an milden Tagen deutlich weniger.
Das erklärt auch die Schreckensmeldungen aus dem Bekanntenkreis. Wer im Januar auf die Stromrechnung schaut, sieht den teuersten Monat und schließt daraus auf das ganze Jahr. Das ist so, als würden Sie den Spritverbrauch Ihres Autos nur an der Steigung messen.
Warum manche Wärmepumpen zu viel Strom brauchen
Wenn eine Wärmepumpe deutlich mehr zieht als gedacht, liegt das fast nie am Gerät. Es liegt an einer dieser Ursachen, und die meisten lassen sich beheben:
- Zu hohe Vorlauftemperatur. Jedes Grad mehr kostet Effizienz. Muss die Wärmepumpe 55 °C statt 40 °C liefern, weil die Heizkörper zu klein sind, sinkt die Jahresarbeitszahl spürbar. Wie sich das ohne Fußbodenheizung lösen lässt, steht im Ratgeber Wärmepumpe im Altbau ohne Fußbodenheizung.
- Schlechte Dämmung. Ein ungedämmtes Haus braucht viel Wärme, und die muss die Wärmepumpe erst einmal erzeugen. Bei sehr hohem Bedarf lohnt erst die Hülle, dann die Heizung.
- Falsch eingestellte Heizkurve. Eine zu steil eingestellte Anlage heizt wärmer als nötig und taktet. Eine saubere Einregulierung holt oft still zehn Prozent heraus.
- Warmwasser auf Anschlag. Wer den Speicher dauerhaft auf 60 °C und höher fährt, zahlt drauf. Ganz absenken sollten Sie aber auch nicht, sonst drohen Legionellen. Der richtige Weg ist eine Legionellenschaltung, die nur einmal wöchentlich hoch aufheizt.
Stromverbrauch senken: die wirksamsten Hebel
Manches kostet nichts außer einem Anruf beim Fachbetrieb, anderes ist eine Investition. In der Reihenfolge ihrer Wirkung:
- Wärmepumpentarif und eigener Zähler. Der größte Hebel, siehe die Kostentabelle oben. Fragen Sie Ihren Netzbetreiber nach den reduzierten Netzentgelten.
- Vorlauftemperatur senken. Größere Heizflächen oder eine Fußbodenheizung bringen die Vorlauftemperatur nach unten und die Jahresarbeitszahl nach oben.
- Heizkurve und hydraulischer Abgleich. Die günstigste Maßnahme überhaupt. Ein Fachbetrieb stellt die Anlage aufs Haus ein, statt sie ab Werk laufen zu lassen.
- Photovoltaik. Jede selbst erzeugte Kilowattstunde ersetzt teuren Netzstrom. Wie gut sich Anlage und Speicher rechnen, steht im Ratgeber Photovoltaik mit Speicher.
Verbrauchs- und Wirtschaftlichkeits-Check für Ihr Haus
Wir ermitteln Ihre Heizlast, schätzen die realistische Jahresarbeitszahl für Ihr Haus und rechnen Ihnen den Stromverbrauch daraus aus. So bekommen Sie eine belastbare Zahl statt einer Prospektangabe, und Sie erfahren, ob sich ein Wärmepumpentarif an Ihrer Adresse lohnt.
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Mehr dazu: Wärmepumpe & regenerativ heizen · Kontakt
Häufige Fragen
Im Einfamilienhaus rund 3.000 bis 6.000 kWh. Die genaue Zahl ergibt sich aus dem Jahres-Wärmebedarf geteilt durch die Jahresarbeitszahl. Ein saniertes Haus mit 12.600 kWh Wärmebedarf und einer JAZ von 3,4 kommt auf etwa 3.700 kWh, ein Neubau auf unter 3.000, ein unsanierter Altbau auf über 6.000.
Teilen Sie Ihren jährlichen Wärmebedarf durch die Jahresarbeitszahl. Den Wärmebedarf entnehmen Sie näherungsweise Ihrer letzten Gas- oder Ölrechnung. Für die Jahresarbeitszahl rechnen Sie mit 3,4 bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe, im Altbau mit hohen Vorlauftemperaturen eher weniger.
Im Beispielhaus mit 3.700 kWh kostet der Strom rund 930 € mit einem Wärmepumpentarif von 25 ct/kWh und rund 1.370 € mit normalem Haushaltsstrom zu 36,9 ct. Der Tarif macht also mehr als 400 € Unterschied im Jahr aus, bei derselben Wärmepumpe.
Meist nicht, wenn ein Wärmepumpentarif verfügbar ist. Im Beispielhaus heizt die Wärmepumpe günstiger als eine Gasheizung. Entscheidend ist das Verhältnis von Strom- zu Gaspreis und die Jahresarbeitszahl. Die vollständige Vergleichsrechnung steht im Ratgeber „Wann lohnt sich eine Wärmepumpe“.
Fast immer wegen einer zu hohen Vorlauftemperatur, schlechter Dämmung, einer falsch eingestellten Heizkurve oder dauerhaft hoher Warmwassertemperatur. Das Gerät selbst ist selten schuld. Eine saubere Einregulierung und ein hydraulischer Abgleich senken den Verbrauch oft deutlich.
An einem kalten Wintertag rund 20 bis 35 kWh im Einfamilienhaus. Im Sommer sinkt der Verbrauch stark, weil die Wärmepumpe dann nur noch Warmwasser bereitet. Der Januar ist der teuerste Monat und taugt nicht als Maßstab fürs ganze Jahr.
Am meisten bringt ein Wärmepumpentarif mit eigenem Zähler. Danach folgen eine niedrigere Vorlauftemperatur über größere Heizflächen, eine optimierte Heizkurve mit hydraulischem Abgleich und, wenn vorhanden, eigener Solarstrom.

