Eine Wärmepumpe lohnt sich, wenn Ihr Haus mit einer Vorlauftemperatur von höchstens 55 °C warm wird und der Heizverbrauch bei etwa 100 kWh je Quadratmeter oder darunter liegt. Dann heizt sie günstiger als eine Gasheizung. Entscheidend ist aber noch etwas anderes, worüber selten jemand spricht: Ihr Stromtarif. Mit einem Wärmepumpentarif rechnet sich die Anlage schon ab einer Jahresarbeitszahl von 1,8. Mit normalem Haushaltsstrom brauchen Sie mindestens 2,7.
Das Wichtigste in Kürze
- Faustwert für den Selbsttest: Jahresverbrauch geteilt durch beheizte Fläche. Unter 100 kWh/m² ist die Wärmepumpe fast immer die günstigere Heizung.
- Der Stromtarif ist der größte Hebel. Ein Wärmepumpentarif kostet 20 bis 27 ct/kWh, Haushaltsstrom aktuell 36,9 ct/kWh.
- Im Beispielhaus spart die Wärmepumpe rund 800 € im Jahr gegenüber Gas.
- Sie lohnt sich nicht, wenn die Vorlauftemperatur dauerhaft über 55 °C liegt, eine Einrohrheizung verbaut ist oder kein Wärmepumpentarif verfügbar ist.
- Gegen eine ohnehin fällige neue Gasheizung gerechnet, ist der Mehrpreis nach etwa drei Jahren wieder drin.
Wann lohnt sich eine Wärmepumpe und wann nicht?
Die Frage lässt sich beantworten, ohne dass jemand Ihr Haus gesehen hat. Es kommt auf vier Dinge an, und keines davon ist das Baujahr.
Kriterium | Sie lohnt sich, wenn … | Eher nicht, wenn … |
|---|---|---|
Vorlauftemperatur | 35 bis 55 °C reichen, um alle Räume warm zu bekommen | Sie dauerhaft über 55 °C brauchen und die Heizkörper nicht vergrößert werden können |
Heizverbrauch | rund 100 kWh je m² und Jahr oder weniger | deutlich über 150 kWh je m²; dann zuerst dämmen |
Heizsystem | Zweirohrsystem, Flächenheizung oder ausreichend große Heizkörper | Einrohrheizung; sie lässt sich kaum auf niedrige Temperaturen bringen |
Stromtarif | ein Wärmepumpentarif verfügbar ist (eigener Zähler, § 14a EnWG) | Sie die Wärmepumpe mit normalem Haushaltsstrom betreiben müssen |
Das Baujahr fehlt in dieser Liste mit Absicht. Das Fraunhofer ISE hat vier Jahre lang 77 Wärmepumpen im Gebäudebestand vermessen und fand keinen Zusammenhang zwischen Gebäudealter und Effizienz. Sanierte Altbauten mit Heizkörpern kamen auf ähnlich niedrige Vorlauftemperaturen wie Häuser mit Fußbodenheizung. Wie das ohne Fußbodenheizung funktioniert, steht im Ratgeber Wärmepumpe im Altbau ohne Fußbodenheizung.
Bei welchem Verbrauch lohnt sich eine Wärmepumpe?
Nehmen Sie Ihre letzte Gasrechnung und rechnen Sie:
Jahresverbrauch in kWh ÷ beheizte Wohnfläche in m² = Verbrauchskennwert
Ein Haus mit 140 m² und 14.000 kWh Gas im Jahr kommt auf 100 kWh/m². Das ist genau der Richtwert, ab dem es kritisch wird. So ordnen wir das Ergebnis ein:
- Unter 100 kWh/m²: Die Wärmepumpe passt. Sie heizt günstiger als Gas, ohne dass Sie vorher dämmen müssen.
- 100 bis 150 kWh/m²: Der Graubereich. Hier entscheidet, ob Ihre Heizkörper groß genug sind, um mit 55 °C auszukommen. Das lässt sich mit einem Heizlast-Check klären, nicht mit einer Faustformel.
- Über 150 kWh/m²: Erst die Hülle, dann die Heizung. Sonst zahlen Sie die schlechte Dämmung über den Strompreis ab.
Wichtig: Der Wert taugt als Ampel, nicht als Urteil. Ein zugiges Haus mit riesigen Gussheizkörpern kann besser dastehen als ein gedämmtes mit knapp bemessenen Flachheizkörpern. Am Ende zählt die Vorlauftemperatur, die Sie am kältesten Tag brauchen.
Betriebskosten: Wärmepumpe gegen Gasheizung
Jetzt wird gerechnet, und zwar mit offenen Karten. Das sind unsere Annahmen:
Annahme | Wert | Herkunft |
|---|---|---|
Beispielhaus | 140 m², 14.000 kWh Gas im Jahr | typisches Einfamilienhaus, 100 kWh/m² |
Nutzungsgrad Gaskessel | 90 % | daraus 12.600 kWh Wärme |
Gaspreis | 12,3 ct/kWh | BDEW, neu abschließbare Verträge, Stand 15.06.2026 |
Wärmepumpentarif | 25 ct/kWh | Marktspanne 20 bis 27 ct/kWh |
Haushaltsstrom | 36,9 ct/kWh | BDEW, Stand 15.06.2026 |
Jahresarbeitszahl (JAZ) | 3,4 im Mittel, 2,6 im ungünstigen Fall | Fraunhofer ISE, Feldtest im Bestand |
Im Normalfall, also bei einer Jahresarbeitszahl von 3,4 und einem Wärmepumpentarif, spart die Wärmepumpe 796 € im Jahr. Das ist kein spektakulärer Betrag, aber es ist ein Betrag, den Sie jedes Jahr wieder sparen.
Die Formel, die Ihnen keiner sagt
Überall lesen Sie, die Jahresarbeitszahl müsse mindestens 3 betragen. Diese Zahl ist keine Naturkonstante. Sie ergibt sich schlicht aus dem Verhältnis von Strom- zu Gaspreis:
Break-even-JAZ = (Strompreis ÷ Gaspreis) × Nutzungsgrad des Kessels
Mit den Zahlen von oben heißt das: Mit einem Wärmepumpentarif von 25 ct/kWh genügt eine JAZ von 1,83, damit die Wärmepumpe billiger heizt. Mit Haushaltsstrom zu 36,9 ct/kWh brauchen Sie dagegen 2,70. Der Tarif verschiebt die Messlatte also stärker, als jede Gerätewahl es könnte.
Deshalb ist die erste Frage, die wir Kunden stellen, nicht „Welche Wärmepumpe?“, sondern: Bekommen Sie an Ihrer Adresse einen Wärmepumpentarif und einen zweiten Zähler? Wenn nein, wird die Rechnung eng.
Anschaffung, Förderung und Amortisation
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kostet im Bestandsgebäude 20.000 bis 35.000 € inklusive Einbau, aufgeschlüsselt im Ratgeber Wärmepumpe im Altbau. Für unser Beispielhaus rechnen wir mit 26.000 €. Eine neue Gasheizung kostet rund 12.000 € und wird nicht gefördert.
Die Wärmepumpe fördert der Bund über die KfW, Produkt 458: 30 % Grundförderung, dazu 16 % Klimageschwindigkeitsbonus, wenn Sie eine mindestens 20 Jahre alte Gasheizung ersetzen. Ein einkommensabhängiger Bonus kann obendrauf kommen, insgesamt sind höchstens 70 % und 19.600 € möglich.
Szenario | Eigenanteil | Amortisation |
|---|---|---|
Volle Investition, 46 % Förderung | 14.040 € | rund 18 Jahre |
Volle Investition, 70 % Förderung | 7.800 € | rund 10 Jahre |
Statt einer ohnehin fälligen neuen Gasheizung | 2.040 € Mehrkosten | rund 3 Jahre |
Eigene Berechnung bei 796 € Ersparnis im Jahr. Ohne Preissteigerungen, ohne Wartungsunterschiede.
Die dritte Zeile ist die ehrlichste. Wenn Ihr Kessel ohnehin am Ende ist, vergleichen Sie die Wärmepumpe nicht mit „nichts tun“, sondern mit einer neuen Gasheizung. Dann schrumpft der Mehrpreis auf gut 2.000 €, und die sind nach drei Jahren wieder drin. Die gern zitierten sieben bis fünfzehn Jahre gelten für den Fall, dass Sie eine funktionierende Heizung vorzeitig ersetzen. Was ein Heizungstausch insgesamt kostet, steht im Ratgeber Heizung erneuern: Kosten.
Der Gesetzgeber zwingt Sie zu nichts. Es gibt keine pauschale Austauschpflicht, und eine funktionierende Gasheizung darf bleiben. Wer neu eine fossile Heizung einbaut, muss ab 2029 allerdings einen wachsenden Anteil biogener Brennstoffe bezahlen. Die Einzelheiten stehen im Ratgeber Heizungsgesetz 2026.
Was bringt die Kombination mit Photovoltaik?
Weniger, als die Prospekte versprechen, und trotzdem genug. Das Problem ist der Kalender: Die Wärmepumpe braucht Strom im Dezember, die Photovoltaik liefert ihn im Juni.
Realistisch deckt eine Dachanlage 25 bis 35 % des Wärmepumpenstroms, im Winter nur 20 bis 40 % des dann anfallenden Bedarfs. Mit einem Batteriespeicher steigt der Anteil, aber ein Speicher, der eine Wärmepumpe durch eine Dezemberwoche trägt, ist unbezahlbar.
Trotzdem rechnet sich die Kombination, weil jede selbst erzeugte Kilowattstunde 25 ct Stromeinkauf spart und beim Verkauf nur 7,78 ct einbringt. Die Wärmepumpe ist der beste Abnehmer, den eine PV-Anlage finden kann. Wie sich Anlage und Speicher rechnen, steht im Ratgeber Photovoltaik mit Speicher.
Ohne Photovoltaik lohnt sich eine Wärmepumpe übrigens auch. Die Rechnung oben kommt ganz ohne Solarstrom aus.
Was spricht gegen eine Wärmepumpe?
Vier Dinge, und wir nennen sie lieber selbst, bevor es der Nachbar tut.
- Ein schlecht gedämmtes Haus. Bei über 150 kWh/m² und Vorlauftemperaturen jenseits von 55 °C sinkt die Jahresarbeitszahl so weit, dass Sie draufzahlen. Der rote Balken oben zeigt genau diesen Fall.
- Eine Einrohrheizung. Sie lässt sich kaum auf niedrige Vorlauftemperaturen bringen, weil alle Heizkörper in Reihe hängen. Umbau oder Hybridlösung, sonst nichts.
- Der Schall. Eine Außeneinheit ist hörbar. Maßgeblich ist nicht die Angabe auf dem Datenblatt, sondern der Pegel am Fenster des Nachbarn: nachts 35 dB(A) im reinen und 40 dB(A) im allgemeinen Wohngebiet. Einen pauschalen Mindestabstand gibt es nicht, aber Aufstellort und Ausrichtung entscheiden mehr als das Gerät.
- Das Strompreisrisiko. Sie tauschen die Abhängigkeit vom Gaspreis gegen die vom Strompreis. Wer keinen Wärmepumpentarif bekommt, verliert den größten Teil des Vorteils.
Wenn zwei oder mehr dieser Punkte auf Ihr Haus zutreffen, raten wir ab oder schlagen eine Hybridlösung vor. Wir haben schon Kunden nach Hause geschickt mit dem Satz: Reparieren Sie den Kessel, wir reden in fünf Jahren wieder. Alles andere wäre Verkaufen statt Beraten.
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Wir ermitteln die Heizlast, prüfen Ihre Heizkörper und rechnen Ihnen aus, welche Jahresarbeitszahl Ihr Haus realistisch hergibt. Daraus wird eine belastbare Zahl statt einer Faustformel. Und wenn sich die Wärmepumpe nicht rechnet, sagen wir Ihnen das.
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Mehr dazu: Wärmepumpe & regenerativ heizen · Kontakt
Häufige Fragen
Wenn Ihr Haus dauerhaft mehr als 55 °C Vorlauftemperatur braucht, der Verbrauch über 150 kWh je Quadratmeter liegt, eine Einrohrheizung verbaut ist oder Sie keinen Wärmepumpentarif bekommen. Im ungünstigsten Fall, bei einer Jahresarbeitszahl von 2,6 und normalem Haushaltsstrom, heizt die Wärmepumpe teurer als Gas.
Teilen Sie den Jahresverbrauch durch die beheizte Fläche. Unter 100 kWh je Quadratmeter lohnt sie sich fast immer, zwischen 100 und 150 kommt es auf die Heizkörper an, darüber sollten Sie zuerst dämmen. Ein Haus mit 140 m² sollte also nicht mehr als etwa 14.000 kWh im Jahr verbrauchen.
Im Beispielhaus mit 14.000 kWh Gasverbrauch kostet die Gasheizung 1.722 € im Jahr, die Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 3,4 und Wärmepumpentarif 926 €. Die Ersparnis liegt bei rund 800 € jährlich. Ohne Wärmepumpentarif schrumpft sie auf etwa 350 €.
Das hängt vom Preisverhältnis ab, nicht von einer festen Regel. Es gilt: Break-even-JAZ = Strompreis geteilt durch Gaspreis, mal Nutzungsgrad des Kessels. Bei 25 ct Wärmepumpenstrom und 12,3 ct Gas genügt eine JAZ von 1,83. Mit Haushaltsstrom zu 36,9 ct brauchen Sie 2,70.
Wenn mehrere Warnzeichen zusammenkommen: schlechte Dämmung, Einrohrheizung, kein Platz für eine Außeneinheit mit ausreichendem Abstand zum Nachbarn und kein Wärmepumpentarif. Dann ist eine Hybridlösung oder ein Fernwärmeanschluss meist sinnvoller.
Ersetzen Sie eine ohnehin fällige Heizung, sind die Mehrkosten von rund 2.000 € nach etwa drei Jahren wieder eingespielt. Tauschen Sie eine funktionierende Gasheizung vorzeitig, dauert es je nach Förderung rund 10 bis 18 Jahre.
Ja. Die Rechnung geht auch ohne Solarstrom auf. Eine PV-Anlage deckt ohnehin nur 25 bis 35 Prozent des Wärmepumpenstroms, weil im Winter wenig Sonne scheint. Sie verbessert das Ergebnis, sie trägt es nicht.
Schlechte Dämmung, eine Einrohrheizung, der Schall der Außeneinheit und das Strompreisrisiko. Beim Schall zählt der Pegel am Fenster des Nachbarn: nachts höchstens 35 dB(A) im reinen und 40 dB(A) im allgemeinen Wohngebiet.


