Legionellen sind Bakterien, die sich in lauwarmem Leitungswasser zwischen 25 und 45 °C vermehren. Gefährlich werden sie nur, wenn man sie als feinen Sprühnebel einatmet, etwa beim Duschen. Getrunken sind sie unbedenklich. Der wirksamste Schutz ist erstaunlich einfach: Warmwasser heiß halten, mindestens 60 °C am Speicher.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Infektion passiert nur über eingeatmete Wassertröpfchen (Aerosol). Trinken, Kochen und Händewaschen sind ungefährlich.
- Wachstumszone: 25 bis 45 °C. Unter 20 °C vermehren sich Legionellen kaum, ab 55 °C sterben sie ab.
- Schutz durch Temperatur: mindestens 60 °C am Speicher, mindestens 55 °C in der Zirkulation (DVGW W 551).
- Der technische Maßnahmenwert liegt bei 100 KBE je 100 ml. Wird er überschritten, muss der Betreiber handeln.
- Vermieter mit einer großen Warmwasseranlage müssen alle drei Jahre auf Legionellen prüfen lassen. Im selbst bewohnten Haus gibt es keine Pflicht.
Was sind Legionellen und ab wann sind sie gefährlich?
Legionellen kommen natürlich in jedem Süßwasser vor, auch im Trinkwasser. In kleiner Zahl sind sie harmlos. Zum Problem werden sie erst, wenn sie sich in der Hausinstallation stark vermehren und dann als feiner Nebel in die Lunge gelangen. Dort können sie die Legionärskrankheit auslösen, eine schwere Lungenentzündung, oder das mildere Pontiac-Fieber. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Raucher und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Für die medizinische Seite ist das Robert Koch-Institut die richtige Adresse, dessen Ratgeber Legionellose die Krankheit im Detail beschreibt. Wir kümmern uns um die Technik zur Vermeidung von Legionellen.
Entscheidend ist der Übertragungsweg: Legionellen sind nur gefährlich, wenn Sie feine Wassertröpfchen einatmen. Das passiert unter der Dusche, im Whirlpool oder an einem Luftbefeuchter. Über den Magen richten sie nichts an. Ihr Leitungswasser können Sie trotz Legionellen bedenkenlos trinken, kochen und zum Händewaschen nutzen.
Ab wann das Gesundheitsamt eingeschaltet wird, ist klar geregelt. Der technische Maßnahmenwert nach Trinkwasserverordnung liegt bei 100 koloniebildenden Einheiten je 100 Milliliter. Wird dieser Wert in einer prüfpflichtigen Anlage erreicht, muss der Betreiber die Ursache suchen und beheben.
Wie kommen Legionellen ins Trinkwasser?
Nicht durch schmutziges Wasser. Das Wasser, das beim Versorger ankommt, ist einwandfrei. Das Problem entsteht in der eigenen Hausinstallation, und fast immer sind zwei Dinge schuld: lauwarmes Wasser und Stillstand.
Legionellen lieben genau die Temperaturen, die viele Warmwassersysteme unbeabsichtigt liefern. Ein Boiler, der aus Sparsamkeit auf 45 °C läuft, ist eine Brutstätte. Dazu kommen typische Schwachstellen der Installation:
- Tote Leitungen: Rohrstücke, die zu einer längst entfernten Zapfstelle führen und in denen das Wasser steht. Ein Paradies für Bakterien.
- Selten genutzte Zapfstellen: das Gäste-WC, die Waschküche, das Ferienhaus. Wo tagelang nichts fließt, wird das Wasser lauwarm und steht.
- Überdimensionierte Speicher und Leitungen: Je mehr Wasser steht, desto länger bleibt es im kritischen Bereich.
- Fehlende oder schwache Zirkulation: Kühlt das Warmwasser auf dem langen Weg zur Dusche unter 55 °C ab, wächst unterwegs mit.
Kalk und Ablagerungen bieten den Bakterien zusätzlich Unterschlupf. Trotzdem ist eine Enthärtungsanlage kein Legionellenschutz, das wird oft verwechselt. Gegen Legionellen helfen Temperatur und Durchfluss, nicht die Wasserhärte. Was eine Enthärtungsanlage stattdessen bringt, steht im Ratgeber Wasserenthärtungsanlage: Wann sie sich lohnt.
Der beste Schutz ist die richtige Temperatur
Legionellen haben eine Schwäche: Hitze. Wer sein Warmwasser konsequent heiß hält, nimmt ihnen die Lebensgrundlage. Die Zahlen dazu sind eindeutig.
Wassertemperatur | Was mit Legionellen passiert |
|---|---|
unter 20 °C | keine nennenswerte Vermehrung |
25 bis 45 °C | ideale Wachstumszone – hier wird es kritisch |
ab 50 °C | Vermehrung gehemmt |
ab 55 °C | Legionellen sterben allmählich ab |
60 °C | schnelles Absterben innerhalb von Minuten |
ab 70 °C (mind. 3 Min. je Entnahmestelle) | thermische Desinfektion nach DVGW W 551 |
Daraus folgt die Regel, an die sich jeder Fachbetrieb hält: In einer größeren Warmwasseranlage müssen am Speicheraustritt mindestens 60 °C anliegen, und in der Zirkulation darf das Wasser nicht unter 55 °C fallen. Bei kleinen Anlagen im Einfamilienhaus gelten mindestens 50 °C als sinnvoll, mit 60 °C sind wir auch hier auf der sicheren Seite.
Der häufigste Fehler: den Boiler herunterdrehen. Wer die Warmwassertemperatur senkt, um Energie zu sparen, züchtet Legionellen. Wenn Sie eine Wärmepumpe betreiben und niedrige Temperaturen fahren möchten, ist die Lösung eine Legionellenschaltung, also ein regelmäßiges Aufheizen auf 60 °C, statt einer dauerhaften Absenkung. Wie sich der Verbrauch dabei entwickelt, lesen Sie im Ratgeber Wärmepumpe Stromverbrauch.
Legionellenprüfung: Pflicht für Vermieter
Ob Sie prüfen lassen müssen, hängt von zwei Dingen ab: von der Größe der Anlage und davon, ob Sie vermieten. Die Trinkwasserverordnung knüpft die Pflicht an sogenannte Großanlagen. Als Großanlage gilt eine Warmwasseranlage mit einem Speicher über 400 Litern oder mit mehr als 3 Litern Inhalt in der Leitung zwischen Erwärmer und der entferntesten Entnahmestelle. Das trifft auf die meisten Mehrfamilienhäuser zu, auf ein normales Einfamilienhaus dagegen selten.
Für solche Anlagen gilt, sobald aus ihnen vernebeltes Wasser entnommen wird, also überall dort, wo geduscht wird:
- Vermietete Wohngebäude (gewerbliche Tätigkeit): Prüfung alle drei Jahre.
- Öffentliche Gebäude und Einrichtungen: Prüfung jährlich.
- Selbst bewohntes Ein- oder Zweifamilienhaus: keine Prüfpflicht.
Die Probe muss von einer akkreditierten Stelle genommen und ausgewertet werden. Als Fachbetrieb übernehmen wir die fachgerechte Probenahme und, falls nötig, die anschließende Sanierung. Ehrlich bleibt: Wenn Sie Ihr Einfamilienhaus selbst bewohnen, brauchen Sie keine Pflichtprüfung. Die richtige Temperatur einzustellen lohnt sich trotzdem, denn die Bakterien fragen nicht nach dem Mietvertrag.
Legionellen gefunden: Was jetzt zu tun ist
Wird der Maßnahmenwert von 100 KBE je 100 ml überschritten, ist das kein Grund zur Panik, aber ein Grund zum Handeln. Der Ablauf ist gestuft:
- Meldung und Analyse: Der Betreiber informiert das Gesundheitsamt und lässt eine Gefährdungsanalyse erstellen. Sie klärt, wo die Bakterien herkommen.
- Sofortmaßnahme thermische Desinfektion: Der Fachbetrieb heizt das gesamte Warmwassernetz auf über 70 °C auf und spült jede Entnahmestelle mindestens drei Minuten heiß durch. Das tötet die Legionellen ab, behebt aber nicht die Ursache.
- Ursache beheben: Tote Leitungen entfernen, die Zirkulation ertüchtigen, Temperaturen richtig einstellen. Erst das löst das Problem dauerhaft.
- Wenn baulich nichts mehr geht: endständige Filter oder eine zentrale Ultrafiltration, die die Bakterien mechanisch zurückhält.
Thermische Desinfektion und Ultrafiltration gehören zu unseren Leistungen. Was dahintersteckt und wann was sinnvoll ist, sehen Sie auf unserer Seite Wasseraufbereitung & Trinkwasser.
Was Sie selbst tun können
Sie müssen kein Fachmann sein, um das Risiko klein zu halten. Vier Dinge helfen wirklich:
- Nach dem Urlaub spülen. Stand das Wasser länger als drei Tage, lassen Sie alle Hähne einige Minuten laufen, warm und kalt, bis das Wasser richtig heiß wird. Öffnen Sie dabei das Fenster und verlassen Sie den Raum, um den Sprühnebel nicht einzuatmen.
- Den Boiler nicht zu niedrig einstellen. 60 °C sind die sichere Marke. Sparen Sie an anderer Stelle, nicht hier.
- Duschkopf und Perlatoren pflegen. Regelmäßig entkalken oder tauschen, denn in verkalkten Brausen sammeln sich Keime.
- Selten genutzte Zapfstellen wöchentlich spülen. Gäste-WC, Waschküche, Außenzapfstelle.
Häufige Fragen
Ja. Legionellen sind nur gefährlich, wenn man sie als feinen Sprühnebel einatmet. Über den Magen richten sie nichts an. Trinken, Kochen und Händewaschen sind auch bei einem Befall unbedenklich. Vorsicht gilt nur beim Duschen und überall dort, wo Wasser vernebelt wird.
Ab 55 °C sterben sie allmählich ab, bei 60 °C innerhalb von Minuten. Für eine thermische Desinfektion wird das Wasser auf über 70 °C erhitzt und jede Entnahmestelle mindestens drei Minuten heiß gespült. Zwischen 25 und 45 °C dagegen vermehren sie sich am stärksten.
Nach einer Standzeit von mehr als drei Tagen sollten Sie jede Zapfstelle einige Minuten laufen lassen, bis das Warmwasser richtig heiß wird. Atmen Sie den Sprühnebel dabei nicht ein: Fenster öffnen, Raum verlassen, und den Duschkopf möglichst in die Wanne halten statt in die Luft.
Gar nicht. Legionellen sind geruch-, geschmack- und farblos. Man kann sie weder sehen noch schmecken. Sicherheit gibt nur eine Laboruntersuchung mit fachgerechter Probenahme. Deshalb gibt es für vermietete Großanlagen die gesetzliche Prüfpflicht.
Ja, wenn Sie eine Großanlage vermieten, aus der geduscht wird. Als Großanlage gilt ein Warmwasserspeicher über 400 Litern oder mehr als 3 Liter Leitungsinhalt bis zur entferntesten Zapfstelle. Die Prüfung erfolgt alle drei Jahre, bei öffentlicher Nutzung jährlich. Ein selbst bewohntes Einfamilienhaus ist nicht prüfpflichtig.
Bei einem nachgewiesenen Befall sollten vor allem gefährdete Personen das Duschen meiden, bis die Anlage desinfiziert ist, weil dabei der gefährliche Sprühnebel entsteht. Ein endständiger Legionellenfilter am Duschkopf schützt übergangsweise. Nach der thermischen Desinfektion ist das Duschen wieder unbedenklich.
Nein. Gegen Legionellen wirken Temperatur und Durchfluss, nicht die Wasserhärte. Eine Enthärtungsanlage schützt Geräte und Leitungen vor Kalk, ist aber kein Legionellenschutz. Beides sollte man nicht verwechseln.
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